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Das Zeitalter von "Industrie 4.0" ist angebrochen.

Sehr viele Berufe unterliegen bereits seit Jahren großer Veränderungen. Das Internet und "Google" ist nicht mehr wegzudenken. Wird ein Suchbegriff in die Suchmaschine von Google eingegeben, werden in Sekunden eine Vielzahl von Informationen zur Verfügung gestellt. Es wird durch diese Informationen suggeriert, jeder könne fast alles selbst machen. 

Es wird beschrieben oder auf Youtube in einem Video erklärt, wie man elektrische Leitungen verlegt, wie man Räume vergrößert, sogar die medizinische Selbstdiagnose wird im Internet angeboten. So berichteten mir viele Ärzte, Patienten würden in ihre Praxis mit einem Ausdruck aus dem Internet erscheinen, in dem die angeblich vorliegende Krankheit bereits im Wege der Selbstdiagnose festgestellt wurde. Die Patienten würden dann sehr bestimmend die Ausstellung eines Rezeptes über ein Medikament, das in dem Internet-Ausdruck empfohlen wird, verlangen. Eine ärztliche Diagnose würde gar nicht gewünscht werden, denn damit wolle der Arzt "ja nur Geld" machen. Auch der Rechtsanwalt hat mit diesem Phänomen zu tun. Zu rechtlichen Themen kann man fast alles im Internet finden. Da gibt es fertige Verträge zum Ausdrucken, die kompliziertesten Rechtsfälle werden "so mal eben auf die Schnelle gelöst" und dann gibt es da noch die "Foren". 

Als Rechtsanwalt "staune" ich nicht selten, was in solchen Foren so alles verbreitet wird, weil man dies hier und da mal gehört habe. Hier ziehe ich einmal einen Vergleich zu dem Anfang meiner Ausführungen, nämlich den Anleitungen zum Verlegen elektrischer Leitungen oder zum Vergrößern von Räumen. Wie viele "Heimwerker" machen sich Gedanken über elektrische Widerstände, wissen etwas über Ohm oder von tragenden Wänden? Man braucht ja nur etwas Kabel und einen Schraubenzieher oder nur einen Vorschlaghammer. Nur warum kommt es bei solchen "Aktionen" immer wieder zu Bränden oder einstürzenden Decken? So wurden mir auch zahlreiche aus dem Internet oder von einer CD heruntergeladene bereits unterschriebene Verträge vorgelegt, die überhaupt nicht zu dem jeweiligen Einzelfall passten. Die daraus meist folgenden Konsequenzen waren nicht mehr zu beseitigen. Warum wird so verfahren? Natürlich um Geld zu sparen. Dies ist ein natürliches menschliches Anliegen. Nur wird übersehen, dass diese Vorgehensweise verheerende teure Konsequenzen haben kann! Was ist jetzt aber die Schlussfolgerung? Das Internet in Bezug auf die vorgeschriebenen Sachverhalte "zu verdammen" oder gar deren Anwender? Mit Sicherheit nicht. Vielmehr sollte eine Parallelität erfolgen. Und damit komme ich zum Thema dieses Artikels. Wie sieht nun dieses Zusammenspiel von sogenannter Digitalisierung und einem innovativen zeitgemäßen Rechtsanwalt, als solchen verstehe ich mich, aus.

Die Arbeitsweise eines zeitgemäßen, innovativen Rechtsanwalts, insbesondere im Zeitalter von Industrie 4.0 sieht anders aus als früher. Der Mandant nimmt im neu angebrochenen Zeitalter zumeist mit selbst eingeholten Vorinformationen mit dem Anwalt Kontakt auf. Vielfach geschieht dies durch E-Mails, denen die selbst eingeholten Informationen oder Vorlagen angehängt sind. Nun sollte der zeitgemäße Rechtsanwalt durch die E-Mails und deren Anhänge, so mache ich es, prüfen, worum es geht und dem Mandanten mit Bezug auf die E-Mails und deren Anhänge verständlich erklären, warum es möglicherweise nicht so einfach mit den angehängten Vorlagen etc. geht. Ein guter Anwalt wird so verfahren, weil er die rechtlichen Grundlagen und die Rechtsprechung kennt und auch auf ein Potenzial an Erfahrung zurückgreifen kann. Der Mandant wiederum sollte für eine Beratung offen sein und die Empfehlungen des Rechtsanwalts befolgen. So muss auch der Arzt vor der etwaigen Verordnung eines Medikaments erst eine Diagnose vornehmen. Auch der Patient sollte mit dem Arzt zusammenarbeiten, um eine zielgerichtete Behandlung zu ermöglichen und nicht den Arzt abqualifizieren, weil er der Selbstdiagnose des Patienten nicht Folge leistet und das erwünschte Medikament nicht verschreibt. So wie der Arzt Leitlinien zu seinem Beruf zu beachten hat, hat der Rechtsanwalt geltende rechtliche Vorschriften und die aktuelle Rechtsprechung zu beachten.

Darüber hinaus wird ein zeitgemäßer Rechtsanwalt berücksichtigen, dass Mandanten mehr denn je an schnellen wirtschaftlichen Lösungen interessiert sind und vielfach keine langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen möchten. Der Rechtsanwalt wird für den Mandanten entsprechende Lösungen ausarbeiten. So beklagen auch bereits einige Zivilgerichte einen erheblichen Rückgang an Eingängen von Klagen etc.. Der Grund wird u.a. in den zahlreichen Internetangeboten und dem Bestreben nach schnellen Lösungen gesehen. Allerdings verhält es sich in der Tat so, dass die meisten Gerichtsverfahren sehr langwierig sind und auch sehr kostenintensiv sein können. Deshalb wird ein zeitgemäßer Rechtsanwalt für den Mandanten eine Abwägung dahingehend vornehmen, ob es tatsächlich die beste Lösung ist, den Gerichtsweg zu beschreiten. Dabei wird er dem Mandanten verschiedene Lösungswege unter Beachtung des Zeitfaktors und der wirtschaftlichen Aspekte aufzeigen und eine für ihn am besten geeignete Lösung ausarbeiten. Natürlich lässt sich das Beschreiten des Gerichtsweges in einigen Fällen nicht vermeiden. In zahlreichen Fällen ist dies aber heute nicht mehr die "erste Wahl" des Vorgehens. Mehr denn je ist heute die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts im Vorwege von Bedeutung. So kann auch bereits ein Gesprächscoaching für anstehende schwierige Gespräche eine Angelegenheit gleich von Beginn an in die richtigen Bahnen lenken. Auch dies gehört beispielsweise zu meinen Tätigkeitsfeldern. Selbstverständlich sollte es sein, dass die Leistung eines Rechtsanwalts auch im Zeitalter der Digitalisierung angemessen vergütet werden muss. Ob "Lockangebote", die auf den ersten Blick günstig und vorteilhaft erscheinen, wirklich ein gutes und vorteilhaftes Angebot darstellen oder ob solche Angebote nur dazu dienen sollen, Erstkontakte mit dem Ziel der Ausdehnung der Auftragserteilung herzustellen, sei dahingestellt. Ein guter zeitgemäßer Rechtsanwalt wird seine Kostenkalkulation so wie ggf. eine Vergütung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz transparent und nachvollziehbar erklären. Der Mandant auf der anderen Seite sollte sich über den Wert der Leistung des Rechtsanwalts bewusst sein.

Der zeitgemäße Rechtsanwalt muss im Rahmen der Digitalisierung auch viel schneller auf das Anliegen des Mandanten reagieren. Er wird dies auch tun. Der Mandant wiederum sollte beachten, dass sich eine solch zügige Reaktion meist auf Zwischennachrichten und überschlägigen Stellungnahmen beschränken muss. Denn in den seltensten Fällen wird es möglich sein, innerhalb kürzester Zeit eine komplette endgültige Lösung für das vorliegende Problem zu präsentieren. Denn so wie der Arzt zunächst eine Diagnose vornehmen muss, muss der Rechtsanwalt zunächst eine vollständige Prüfung anhand von rechtlichen Vorschriften und aktueller Rechtssprechung vornehmen. Auch wirtschaftliche Aspekte sind zu beachten. So wie dem Arzt moderne medizinische Apparate für die Diagnose zur Verfügung stehen, stehen dem zeitgemäßen Rechtsanwalt zur Lösung des Problems entsprechende Programme zur Verfügung. Selbstverständlich wird ein zeitgemäßer Rechtsanwalt heute einen Vertrag nicht mehr vollständig selbst schreiben bzw. von einer Angestellten schreiben lassen. Allerdings muss der Rechtsanwalt immer noch die aktuellen rechtlichen Vorschriften und die aktuelle Rechtsprechung kennen und wissen, wie die entsprechenden Programme anzuwenden sind. Eine Vorlage ist eben nur eine Vorlage. Ein guter Anwalt muss wissen welche Vorlage dem Grunde nach passt und wie diese Vorlage auf den konkreten Einzelfall angepasst werden muss. 

Im Zeitalter von Industrie 4.0 wird es noch weitergehende für Jedermann erhältliche Angebote geben. Doch was diesen Angeboten fehlen wird, ist die professionelle menschliche Sichtweise. Es wird nicht ausreichen Algorithmen durch ein Raster laufen zu lassen, wenn das Ergebnis nicht verstanden wird und nicht beurteilt werden kann, ob das Ergebnis solcher Angebote wirklich die geeignete Lösung ist. Deshalb wird ein Rechtsanwalt im Zeitalter von Industrie 4.0 mehr denn je auch auf die nicht juristischen Anliegen des Mandanten eingehen und sich bei seiner Tätigkeit nicht nur auf Paragraphen und Urteile beschränken. Die juristische Sprache und die juristische Denkweise wird bleiben und muss verständlich und nachvollziehbar "übersetzt" werden.

Die Gefahren im Zeitalter der Digitalisierung sind nicht kleiner geworden. Im Gegenteil. Geschäftliche Kontakte laufen meist über das Schreiben von E-Mails ab. Oft werden diese in relativ lockerer Sprache abgefasst, ohne zu beachten, welche Konsequenzen der Inhalt haben kann. So kamen nach rechtlicher Überprüfung bereits Verträge über das Schreiben von E-Mails zustande, die gar nicht gewollt waren. Der Inhalt von E-Mails und deren Anhängen wird auch nicht mehr so genau gelesen. Denn das Lesen erfolgt meist in kürzester Zeit am Bildschirm oder am Smartphone. Es wird schnell gescrollt und nicht selten sogleich eine schnelle Antwort verfasst und abgeschickt. Dies kann verheerende Folgen haben. Ein guter Rechtsanwalt im Zeitalter der Digitalisierung wird u.a. auch hinsichtlich einer sachgerechten digitalen Kommunikation eine Beratung vornehmen.

Das Aufgabengebiet eines Rechtsanwalts im Zeitalter der Digitalisierung ist also wesentlich vielfältiger als in früheren Zeiten. Dieses vielfältige Angebot sollte genutzt werden, um weitreichende Konsequenzen zu vermeiden. Denn dies spart im Ergebnis Geld ein.

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